Archiv für den Monat: September 2018

Das Konzept von Thari-E-Ntsho

Im ersten Teil unserer Jugendbegegnung haben wir in Maun ein Jugendarbeitslosenprojekt mit dem Namen Thari-E-Ntsho Storytellers unterstützt. Thari-E-Ntsho wurde von Bonty, der Teamleiterin unserer botswanischen Partnergruppe gegründet und wird von ihr privat ohne staatliche Unterstützung geleitet.

Bontekanye Botumile, genannt Bonty, stammt aus einer Familie von traditionellen Geschichtenerzählern und wurde 1970 in Maun geboren. Sie hat Hotelmanagement in Kanada und Hawaii studiert und sich schon viel in NGOs und gemeinnützigen Projekten engagiert. Außerdem ist sie Autorin von 10 Kinderbüchern, die sich mit der Kultur Botswanas, alten Legenden und dem Schutz der Umwelt befassen. Vor einigen Jahren hat Bonty begonnenen, auf ihrem 6 ha großen Grundstück am Stadtrand Mauns verschiedene Projekte und Aktionen mit arbeitslosen Jugendlichen durchzuführen, z. B. Theaterstücke, Tanz- und Kunstprojekte.

 

Unser ‚weltwärts‘-Begegnungsprojekt hat Thari-E-Ntsho die Möglichkeit gegeben, weitere Projekte ins Leben zu rufen. Alle 9 Teilnehmer*innen unserer Partnergruppe sind zurzeit arbeitslos oder haben einen sehr schlecht bezahlten Job. Im Gewächshaus, welches wir zusammen errichtet haben, können sie nun selber Früchte und Gemüse anbauen, um ein kleines Einkommen zu erzielen und eine gewisse Selbstständigkeit damit zu erlangen. Dabei stehen das Lernen und die Erweiterung der individuellen Fähigkeiten im Vordergrund.

 

Das Projekt Thari-E-Ntsho ist am ehesten vergleichbar mit einer Arbeitslosen-Maßnahme des Jobcenters hier in Deutschland. Es eröffnet den Teilnehmer*innen viele Möglichkeiten, jedoch müssen sie dafür auch Verantwortung übernehmen. Alle sind einen schriftlichen Vertrag mit Bonty eingegangen und damit an die Gegebenheiten und Regeln des Projekts gebunden. Bonty versucht den jugendlichen Teilnehmern zu helfen, sich besser in die botswanische Gesellschaft einzugliedern. Dies wollen die Teilnehmer*innen erreichen, um ihre Chancen auf einen Job oder einen Schulplatz zu verbessern. Wir durften miterleben, wie Bonty dies auf ihre ganz eigene Art und Weise macht. Sie konfrontiert die Teilnehmer*innen mit verschiedenen Aufgaben und Anforderungen, die ihren selbst erstellten 4-Säulen-Prinzip nachkommen. Auch uns Deutsche stellte sie vor einige große Herausforderungen, die nicht nur die Arbeit auf den Feld beinhalteten, sondern auch die Kommunikation und das gesellschaftliche Miteinander fördern sollten, eben eine echte Jugendbegegnung. Es kam nicht selten vor, dass wir alle am Abend erschöpft zusammen saßen und einfach über die vielen Geschehnisse des Tages redeten und lachten. Ein Beweis dafür, dass Bontys Prinzipien Früchte trugen.

 

Die 4 Säulen von Thari-E-Ntsho

 

  1. Jugend

 

In Botswana besteht das große Problem, dass die Jugend-Arbeitslosenquote sehr hoch ist. (36% im Vergleich zu nur 4,3% in Deutschland) Eben diesen Jugendlichen möchte Bonty helfen, neue Perspektiven zu finden. Sie bietet ihnen die Möglichkeit, durch eigenes Engagement Geld zu verdienen und damit ihre individuelle wirtschaftliche Situation zu verbessern. Gleichzeitig sollen sie dabei die eigenen Talente entdecken und neue Fähigkeiten erlangen, die ihnen bei ihrem weiteren Bildungsweg oder der Suche nach einer Arbeit nützlich sein können.

 

  1. Kunst

Die Kreativität von Jugendlichen zu fördern ist ein wichtiger Punkt für ihre Entwicklung.

Es wurden bereits Theaterstücke und Tänze von Jugendlichen entwickelt und vorgeführt, die auf Geschichten ihrer Bücher beruhen. Bei der Herstellung und dem Verkauf von Schmuck lassen sich künstlerische und praktische (handwerkliche) Aspekte verbinden.

 

  1. Kultur

Bonty hat sich in der Vergangenheit intensiv mit der Geschichte Botswanas auseinandergesetzt und mehrere Bücher herausgebracht, die selbst in einigen Schulen im Unterricht Verwendung finden.

Wie schon erwähnt stammt sie aus einer Familie von traditionellen Geschichtenerzählern. Deshalb liegt es ihr am Herzen, die spezifische Kultur Botswanas zu bewahren. Touristen kommen bisher überwiegend aufgrund des großen Tierreichtums nach Botswana. Aus diesem Grund ist es Bonty ein Anliegen, den Touristen mehr von Botswana zu vermitteln und ein ‚‚Cultural Tourism‘‘ etablieren, damit sie den Menschen ein umfangreicheres Bild ihrer Heimat geben kann. Botswana hat eben weitaus mehr zu bieten, als nur das „Wildlife“!

 

  1. Umwelt

In Botswana werden rund 85% der Güter importiert, da es sich aufgrund der geringen Bevölkerungszahl (ca. 2,2 Mio.) nicht lohnt, eigene Güter zu produzieren. Der unter anderem hierdurch entstehende Müll sorgt für eine massive Umweltbelastung. Es gibt keine Mülltrennung oder Verwertung, die mit deutschen Verhältnissen vergleichbar wäre. Einzig konnten wir feststellen, dass Aluminium (Dosen) verkauft werden kann. Recycling ist daher ein wichtiges Thema in vielen von Bontys Aktionen. Sie möchte mit gutem Beispiel vorangehen und dadurch mehr Umweltbewusstsein in der botswanischen Gesellschaft schaffen. Vielen Dingen, die wir in Deutschland als Müll betrachten würden, wird auf Thai-E-Ntsho ein zweites Leben eingehaucht. So ist z.B. ein Großteil der Sitzgelegenheiten aus alten Autoreifen hergestellt, die aber auch als Fundamente verwendet werden.

Das Gewächshaus, das wir während unserer Zeit in Botswana gebaut haben, ist nur der Anfang von Bontys Plänen. Das Gemüse, das die Teilnehmer nun anbauen, wollen sie auf einem eigenen kleinen Markt auf Bontys Grundstück verkaufen. Die Schilder (eine riesige Satellitenschüssel) für diesen Markt haben wir während unserer Zeit in Botswana schon gestaltet.

Auch die Zelte, die für unsere Jugendbegegnung zuvor gekauft worden sind, sollen einen weiteren Nutzen haben. Bonty wird sie an Besuchern des Thari-E-Ntsho-Camps vermieten, um ihre Jugendaktion zukünftig besser finanzieren zu können.

Wir sind froh, an dieser Jugendbegegnung teilgenommen zu haben, und wünschen uns, dass auch in Zukunft viele weitere Projekte verwirklicht werden, um kulturellen Austausch zu fördern.

 

Leon K. und Diana