Ein Feld roden auf Botswanisch

Ein 25×25 Meter Areal für das Aufstellen eines Gewächshauses vorzubereiten, hört sich erstmal nicht wie eine Aufgabe an, für die circa eine Woche benötigt wird, vor allem wenn um die zwanzig Arbeiter zur Verfügung stehen. Doch verlegt man dieses Feld nach Botswana, schraubt die Temperaturen auf 30 Grad Celsius herauf, was dazu führt, dass die Arbeitszeiten auf den Vormittag und den frühen Abend beschränkt sind, und kombiniert das mit dem fehlen von Werkzeugen, die diesen Namen verdient haben, dann wird einem schnell klar, dass eine Woche gar nicht so schlecht ist.
Als ich das Feld zum ersten Mal sah, war ich überzeugt, am nächsten Tag mit dem Aufstellen des Gewächshauses anfangen zu können. Erste erhebliche Zweifel kamen in mir auf, als ich mich daran machte, einen der reichlich vorhandenen Dornbüsche zu leibe zu rücken. Dies gehörte nämlich zu den ersten Arbeitsschritten und war weitaus zeitaufwändiger als gedacht. Mein erster Versuch mit einer alten und wackligen Heckenschere den Dornbusch klein zu kriegen, erwies sich als wenig zielführend. Also blieb nur der brachiale Weg die Büsche mit der einzig vorhandenen langstieligen Axt direkt auf Bodenhöhe zu Kappen und die Büsche, ohne sie weiter zu zerkleinern, abzutransportieren. Die Arbeit mit dem Dornengestrüpp führte zu zahlreichen Kratzern und kleineren Wunden. Die bis zu fünf Zentimeter langen Dornen blieben oft im Finger stecken, um dort abzubrechen, zumal die meisten von uns keine Arbeitshandschuhe hatten, was zu weiteren Verzögerungen führte. Parallel dazu wurde mit dem entfernen von Gras und anderen kleinen Pflanzen begonnen. Dies wurde ganz einfach per Hand gemacht. Abtransportiert wurden die Gräser und Pflanzen mittels einer Schubkarre mit faustgroßen Löchern der Wanne und bei der man nie befürchten muss Luft aus dem Reifen zu verlieren, da dieser aus einen kompletten Stück Gummi besteht. Die Arbeit wurde weiter durch die starke Sonneneinstrahlung erschwert, die nur durch geeigneter Kopfbedeckungen und reichlichen Wasserpausen begegnet werden konnte. Am ende des ersten Tages war vielleicht ein Viertel des Feldes von Dornbüschen befreit und meine Hoffnungen auf ein schnelles Ende zerschlagen. Durch mehr Äxte und Verbesserungen in den Fällmethoden konnte das Entfernen der Büsche deutlich beschleunigt werden. Doch erreichten wir nie mehr die anfänglichen Mannstärke auf dem Feld. Ein Viertel von uns war jeden Tag mit arbeiten in der Küche und im Camp beschäftigt. Dazu kamen noch Ausfälle aus gesundheitlichen Gründen. Zudem litt die Arbeitsmotivation durch große Hitze, Planung nach afrikanischer Art und allgemeiner Strukturlosigkeit, was sich aber schnell legte, nachdem die gröbsten Probleme behoben waren. Nach dem Entfernen der Büsche und dem Ausreisen der Gräser und restlichen Pflanzen war es an der Zeit sich ums Wurzelwerk zu kümmern. Kleinere Wurzeln wurden ausgegraben, größere soweit wie praktisch möglich auch, um danach Grubenfeuer auf den restlichen Wurzeln zu entzündet. Dies führte dazu, dass parallel zu den restlichen arbeiten auf dem Feld wir uns noch um reichlich Nachschub an Feuerholz kümmern mussten. Auf dem ganzen Feld wurde nun jegliche Pflanzenreste zusammengeharkt und abtransportiert, die erloschenen Grubenfeuer wieder zugeschüttet, sodass ein Areal nackter Erde zurückbliebt.

R.

2 Gedanken zu „Ein Feld roden auf Botswanisch

  1. Hallo Ihr in Afrika, ich verfolge schon lange den Blog, nur fehlen mir mehr Bilder, ist das aufwendiger, Bilder mit einzustellen?
    MfG. Claudia Lensch

    1. Dumela Claudia,
      Die Internetverbindung hier ist sehr schwirig.
      Wir sind schon froh das wir regelmäßig einen Blog reinbekommen.
      Wenn wir wieder in Deutschland sind können wir einfacher Bilder ergänzen.
      Lg Jenny

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