Wasser – Elixier des Lebens

Die große Anzahl an Magendarm-Erkrankungen machte viele von uns nervös. Wie die Wasserversorgung und Hygene auf Tari-E-Ntsho gehandhabt wird, war für uns folglich von großem Interesse. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung wollen wir mit euch teilen:
Die Wasserversorgung auf dem Tari-E-Ntsho-Gelände basiert auf Wasser, welches aus dem 6 Meter tiefen Grundwasser stammt. Die Anzapfstelle nennt sich „Wellspot“. Solche Wellspots gibt es häufig bei Grundstücken, die nahe eines Flusses liegen. Tari-E-Ntsho liegt direkt am Thamalakane River und bietet deswegen diese Möglichkeit, direkt aus dem Fluss das Trink- bzw- Frischwasser zu beziehen. Der Vorteil solcher Flüsse ist, dass die Pflanzen an solchen Flüssen zusätzlich zur Erde das Wasser filtern.
Peter, ein auf Master studierter Biologe, erklärte uns, dass diese Pflanzen in ihren Wurzeln Gerbsäure produzieren welche das Wasser bräunlich färbt. Durch die Filterung der Erde wird das Meiste dieses Farbstoffes herausgefiltert, aber nicht alles, was erklärt, weshalb das Wasser leicht gelblich gefärbt ist. Das Wasser sollte damit eigentlich trinkbar sein. Peter selbst trinkt auch das Wasser vorort und sagte uns, dass er damit niemals Probleme hatte. Der Großteil von uns blieb aber skeptisch, vielleicht auch wegen der Farbe, und griff auf gekauftes Wasser aus einem Bottlestore zurück. Tatsächlich werden die einmal (recht teuer) gekauften 5-Liter-Behälter immer wieder ausgewaschen und für sehr viel weniger Geld neu befüllt… Recycling, wie es sonst eigentlich in Botswana kaum vorkommt.
Das Wasser aus dem Thamalakane Rivers zu trinken war für die meisten von uns keine Option, vor allem nicht aus den ruhigen Stellen ohne Strömung. Da viele Menschen an diesen Fluss leben und ihn verunreinigen, ist er ein Nährboden für Bakterien und andere Keime die verschiedene Durchfallerkrankungen verursachen könnnen. Zudem ist es nicht ratsam in diesem Fluss zu schwimmen, weil auch verschiedene Tiere wie Flusspferde und Krokodiele darin leben.
In Maun gibt es die Möglichkeit Leitungswasser zu beziehen, Peter bezieht zuhause Leitungswasser und erzählte uns, dass es auch Tage gibt, an denen in diesem Wasser viel Sand ist. Er lässt dann die Spüle voll laufen und wartet bis sich der Sand am Beckenboden ablagert. Ein Zustand denn ich aus Deutschland nicht kenne, was aber theoretisch nicht schlimm ist. Nicht jeder Haushalt in Botswana bezieht dieses Leitungswasser.

Die Hygiene wurde an verschiedenen Orten unterschiedlich gehandhabt. Die Duschen waren auf einem Holzpodest, welches fast immer dreckig war. Obwohl sie jeden Tag abgefegt wurden, wurden sie durch den hohen Duschbedarf schnell wieder sandig. So hatte man sich die Füße gewaschen und danach auf den Boden gestellt, so waren sie direkt wieder dreckig. Da die Duschen und Wassersäcke oben offen waren und zudem unter einem Baum standen, waren Blätter, kleine Äste und ab und zu auch Dornen keine Seltenheit. Ansonsten waren im Duschwasser auch noch kleine Äste und Blätter welche aber nicht durch den „Duschkopf“ gerutscht sind. Das Duschwasser ansich wurde zuvor in einer großen Tonne, über offenem Feuer, erwärmt. Damit wurden dann die Wassersäcke – wunschgemäß für die Teilnehmer*innen temperiert – befüllt
Bei den „Toiletten“ oder besser Plumpsklos muss man wissen, dass die Toiletten in einem Häuschen standen, wo die Wände aus Ästen und das Dach aus Wellblech bestand. Die Toiletten bestanden aus Plastik und standen über einem selbst ausgebudelten Loch, welches über einem Meter Tief war. Unsere „Spülung“ war eigentlich ein mit Asche befüllter Metalleimer aus dem wir, je nach Geschäft unterschiedlich viel Asche in das Loch geworfen haben. Vor den Toiletten stand auf einer Tonne eine Metallschüssel, Seife und ein Becher. Vor der Tonne war ein mit Wasser gefüllter Plastikeimer. Aus dem Eimer hat man mit dem Becher Wasser geschöpft und sich über der Schüssel die Hände gewaschen. Ebenfalls war in diesem Wasser Blätter und manchmal eine ertrunkende Fliege drin. Das Wasser wurde zweckendfremdet und von den dortigen Hunden getrunken. Obwohl das nicht Sinn der Sache war, haben die Hunde es trotzdem gemacht.
Das Campsite Team hat das Wasser jeden Tag erneuert, genauso die Asche auf den Toiletten aufgefüllt.
Vorort gab es mehrere Küchen, da wir ausschließlich in einer Küche gekocht haben, können wir die Hygiene nur für diese beschreiben. Diese Küche war Outdoor und innerhalb eines offenen Gebäudes. Das Gebäude war mit Mauern umrandet und hatte ein Welblech als Dach. Die Fenster und Türen hatten keine Scheiben oder Hölzerne Türen, sondern waren offene Löcher in der Mauer. Auch wenn das atmosphärisch schön war, war es trotzdem der Grund weshalb auf der Arbeitsplatte Ameisen herum gelaufen sind. Zudem musste Nachts immer Licht mitgebracht werden, um zu überprüfen ob sich in der Küche nicht Schlangen, Skorpione oder Eidechsen gemühtlich gemacht hatten. Für den Abwasch musste, wenn man Heiß abspülen wollte Wasser aus dem Duschwasser Boiler geholt werden. Dennoch gab es in der Küche fließendes Wasser, welches nur kalt war. Geschah ein Missgeschick und jemanden viel das Essen auf den Boden, so wurde es abgewaschen und weiter verwendet. Oben offene Reistüten wurden ebenfalls auf den Boden gestellt und dort gelagert. Das war mit ein Grund für immer wieder kehrende Speckulationen ob diese Form der Hygiene nicht die Ursache für die in unserer Gruppe häufig aufgetretenen Magendarm erkrankungen war. Der Herd wie auch der Ofen wurde mit Gas betrieben. Der Anschluss zu einer großen Gasflasche die in der Küche stand war ebenfalls nicht 100% dicht. Obwohl in der Küche nie Gas in riechbarer Menge ausgetreten ist, würden wir nicht empfehlen ein brennendes Streichholz an den Anschluss zu halten. Große Schüsseln, in denen Becher und Teller aufbewahrt wurden, waren dreckig, was uns nervöse Europär schon Sorge bereitet hatte. Der Kühlschrank der in Bontys Büro stand, wo auch der Rest unserer Lebensmittel gelagert wurden, war innen nach Deutschenmasstab dreckig und durch immer mal wieder kehrenden Stromausfälle wurden wir teilweise, wegen dem darin gelagerten Fleisch, nervös.
Da wir relativ viel Fleisch verzehrt haben wurde der Kühlschrank auch nach kurzer zeit, nach einer reinigung schnell wieder schmuddelig.
Die Handtücher zum Abwaschen wurden nach mehrfachen gebrauch in Bleichemittel gewaschen. Außerhalb der Küche wurden sie dann auf eine kleine Wäscheleine aufgehangen. Obwohl man meinen könnte, das die intensive afrikanische Sonne schnell die Handtücher trocknet, mussten wir dennoch manchmal mit feuchten Handtüchern abtrocknen, auch wenn die Teller und Becher dann nicht ganz Trocken wurden. In der letzten Woche holten wir uns dann aus Bontys Büro ein Abtropfregal, was uns Abends den Abwasch abnahm. Morgens und Mittags mussten wir trotzdem noch per Hand abwaschen. Die afrikanische Sonne war, ungeachtet unserer persönlichen Wahrnehmung, nicht stark genug um die Teller, Besteck und Becher zu trocknen.
Wie schon erwähnt gab es mehrere Krankheitsfälle in unserer Gruppe. Diese erstreckten sich von einem Sonnenstich bis hin zu Magendarminfekten und allergische Reaktionen. Weshalb wir häufig zu einem Arzt gefahren sind. Der Arzt hat für unsere Gruppe eigentlich zu jeder erdenklichen Tageszeit geöffnet, sei es das wir Abends um 21 Uhr bis fast 23Uhr an einem Sonntag den Arzt besucht haben. Das könnte vielleicht daran liegen das der Arzt der Vater von einem der botswanischen Jugendlichen war. Zudem war unser Arzt von den Preisen recht Kulant, so hat er die Visite von einem unserer Jugendlichen gar nicht berechnet. Ob es ein Mengenrabatt war? Eine Frage die wohl nie beantwortet wird. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist, das wir benötigte Medikamente direkt beim Arzt erhalten haben und nicht erst in eine Apotheke laufen mussten. Für uns war es ein großer Vorteil, das der Arzt eine 20 minütige Autofahrt von unserem Standtort entfernt war.
Ebenfalls von Vorteil war es, dass einer der deutschen Teilnehmer ein ordentliches Grundwissen in Medizin hatte, weshalb er für uns als Sanitäter tätig war. Kratzer und Stachel hat er netter Weise für uns behandelt. Danke sehr. Die botswanischen Jugendlichen haben mit geschickten Fingern und mit der Hilfe von zwei anderen Stacheln(meist Akatzie), welche in Botswana gerne mal bis zu fünf cm lang waren, heraus operiert.

Leon
und Johannes

Müllentsorgung/ Recycling in Maun

Manch einer mag behaupten, es gäbe keine Müllentsorgung in Botswana. Angesichts des vielen Mülls auf den Straßen verständlich, doch das ist nicht richtig. Tatsache es gibt Müllentsorgung, vielleicht nicht so wie wir  aus Deutschland es gewohnt sind, doch es gibt sie. Durch persönliche Gespräche mit den Menschen vor Ort und eigene Beobachtungen konnten wir uns ein Bild davon machen.

Zum einem gibt es das gute alte Verbrennen. Alles was brennbar ist, wird auf offenem Feuer auf dem eigenem Gelände verbrannt. Dabei wird sich wenig bis keine Sorgen um giftige Dämpfe und Rauch gemacht, wenn es brennbar ist, wird es auch verbrannt. Die zweite Methode ist das Vergraben. Ganz nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ wird Müll auf dem eigenen Gelände vergraben. Das Auffüllen von Fundamenten ist hierfür eine wunderbare Gelegenheit übriggebliebenen Müll zu entsorgen. Die dritte Möglichkeit der Müllentsorgung ist die Müllabfuhr. Auch hier darf man dies nicht mit einer Müllabfuhr in Deutschland verwechseln. Keine Männer in Orange, kein spezieller Müllwagen und keine bunten Tonnen sind hier im Einsatz. Es ist mehr so, dass ein Pick Up mit Anhänger an festgelegter Stelle und Zeit hält und es dort die Möglichkeit gibt, gegen Bezahlung seinen Müll abzugeben. Und wo geht es danach hin? Der Müll wird gesammelt und auf offenen Deponien verbrannt und/oder vergraben.
Die Touristencamps außerhalb von Maun, z.B. Kaziikini beauftragen die Müllabfuhr dass deren Müll abgeholt und entsorgt wird. Dies geschieht dann allerdings zum größten Teil zulasten der Kosten der Stadtverwaltung Mauns. Die Camps machen außerhalb große Gewinne mit Tourismus, sind aber nicht bereit sich an einer guten Strategie zur Müllentsorgung zu beteiligen.
Möglicherweise wurde das bisher aber von Maun und den dort lebenden Bürgern nicht gefordert.

Als letztes gibt es noch das Recycling. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede zu unserer Heimat. Statt das Wiederverwerten speziellen Firmen zu überlassen, machen es die Botswaner selbst. Alles was sich irgendwie weiterverwenden lässt, wird auch auf kreativer Weise ein zweites Leben eingehaucht. Der Einfallsreichtum der Botswaner scheint dabei kaum Grenzen gesetzt. Ob alte Holzzäune, Bauschutt oder Gasflaschen, alles scheint sich irgendwie weiterverwenden zu lassen. Vor allem Autoreifen erfreuen sich großer Beliebtheit. Nicht nur auf dem Gelände von Thari E Ntsho, sondern in ganz Maun konnten wir Beispiele für die einfallsreiche Weiterverwendung finden. Ob Mauern, Straßenbegrenzungen, Stühle, Schaukel, als Fundament oder Blumenkübel, die Schwarzen, oft bunt angemalten Gummischlappen sind fast überall zu finden.

Abschließend folgendes: Müll ist ein großes Problem in Botswana und durch unsere Gespräche mit den Menschen dort weiß ich: Die Botswaner wissen das. Doch führt das Fehlen einer effizienten und nachhaltigen Entsorgungskette zu kreativen Einfällen im Bereich des heimischen Recyclings, bei dem wir in unserer Wegwerfkultur einiges abschauen können.

R. & D.

„Ich und der Müll“

Ich sitze in der Mitte des Zeltcamps und so langsam wird die Müllproblematik immer deutlicher. Die auf unsere Anregung hin schon früh nach unserer Ankunft im Camp zusätzlich aufgestellten Tonnen (vor allem alte Ölfässer) zur Trennung von Glas, Metallen, Plastik „bzw. Restmüll“ sind nun langsam voll! Aufgrund der mitunter jedoch etwas wenig beachteten konsequenten Trennung und der Hitze tagsüber, fangen die Tonnen nun langsam an, einen üblen Geruch zu verbreiten. Wie ich drüber nachdenke, was am besten dagegen zu tun ist und mich auch nicht so recht aufraffen kann, konkret etwas dagegen zu unternehmen, kommt eine sehr alte, traditionell sehr bunt gekleidete Frau auf das Gelände auf mich zu und spricht mich in unverständlichem Setswanisch an. Dabei deutet sie ständig auf die Tonne mit dem Altmetall und langsam verstehe ich, was sie will. Sie beginnt dann damit die Alluminiumdosen aus der dummerweise unsachgemäß mit Kompostmüll befüllten und übel riechenden Tonne her auszukramen. Ich lege ihr die Tonne auf die Seite und gehe ein wenig zur Hand. Mit einem Stock kramen wir auch die letzte Alludose heraus. Es sind reichlich Wespen am Start, angelockt von dem süßlichen Aroma der Süßgetränkedosen. Glücklicherweise passiert uns dabei nichts. Die Frau bedankt sich und nimmt dann den Abfall mit, um ihn – wie ich später erfahre – irgendwo zu verkaufen. Grund genug sich jetzt endlich mal um den Geruch zu kümmern und unserem Müllproblem ein Ende zu bereiten… na, wie wohl…?!

(Torsten)

Kulturschock

Bevor wir hierher nach Maun kamen, haben wir schon einige Male bei unseren Treffen über den möglichen Kulturschock, der auf uns zukommen kann, gesprochen und versucht, uns sogut wie möglich, darauf vorzubereiten. Aber wie jeder weiß, kommt alles doch ganz anderes, als man denkt. Man ist auf sich alleine gestellt und muss in einer Situation handeln, die plötzlich auftritt, ohne die Möglichkeit zu haben, sich auf die besprochenen Vorgehensweisen beziehen zu können.

Die Themen, bei denen in unterschiedlich starker Ausprägung in einen Kulturschock versetzt haben, sind…

⁃ Essen und Kochen

⁃ Glaube und Religion

⁃ Gleichberechtigung

⁃ TIA (This is Africa)

⁃ Bildung/Zukunft

⁃ ft der Jugendlichen Maun

Essen und Kochen

Ein wirklich wichtiges Thema, welches uns tagtäglich begleitet – und zwar erst recht als Vegetarier – ist das Essen. Häufige Fragen, die wir uns zu Anfang beim Essen stellen, sind solche wie „Gibt es hier eigentlich Vegetarier und falls nicht, wird unsere Ernährungsweise und der moralischer Hintergrund überhaupt toleriert/verstanden?“ oder „Was wird uns Vegetariern als Alternative zum Fleisch angeboten?“

Diese Fragen sind für uns, nach einer gewissen Zeit im Camp, eigentlich ganz einfach zu beantworten. Vegetarier gibt es auf Seite der Botswaner*innen in Thari-E-Ntsho mit Sicherheit nicht. Unser Eindruck ist, dass eine Ernährung mit viel Fleisch gar nicht erst in Frage gestellt wird, da es einen wichtigen Teil jeder warmen Mahlzeit darstellt. Fleisch ist gegenüber vielen anderen Lebensmitteln in Botswana ausgesprochen kostengünstig. Ein weiterer Punkt ist, dass es (in Thari-E-Ntso) generell keine Auswahl bzw. Vielfalt an (unterschiedlichen) Gerichten gab, weil unter schwierigen Bedingungen für viele Leute gekocht werden musste. So setzt sich ein Gericht meistens aus Hirsebrei, Reis oder einer nicht immer definierbare „Pampe“ mit Fleisch und Gemüsesoße zusammen. Das und die mangelnde Sensibilisierung im Umgang mit Vegetariern und deren „speziellen“ Bedürfnissen ist ein Grund dafür, warum es schwierig ist, ist einen angemessenen Ersatz für diese zu finden. So gibt es für uns oft nur das Gleiche zu essen. Wir wollten auch keine größeren Umstände machen, auch wenn es schon manchmal störend war, das Gleiche zu Essen, wie die Fleischesser, nur halt ohne. Wir haben zunächst abgewartet, wie sich der Umgang mit dem Thema entwickelt, ob sich vielleicht irgendwann etwas daran ändern wird. Nachdem wir eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben hatten, mal etwas anderes essen zu können, als nur Reis oder Brei mit Sauce, gab es nach ca. zwei Wochen kleine Veränderungen. Es standen kleine Tofuwürstchen auf den Tisch, über die wir drei Vegetarier wirklich freuten und wir merkten, dass sich mit unserer Ernährungsweise doch ein wenig auseinandergesetzt bzw. sich Gedanken gemacht wurde.

Eine weitere Feststellung, die wir machen konnten, ist die maßenhafte Verwendung von Zucker bei der Zubereitung fast aller möglichen Gerichte. Das „warum“ hat sich uns nicht erschlossen, wir wollten aber auch hierzu nicht noch kritisch nachfragen…

Abgesehen von dem Essen, spielt Organisation und Ablauf des Kochens eine große Rolle. Wir wurden innerhalb unserer ca. 25-köpfigen Gruppe vier gemischte Teams eingeteilt, die abwechselnd immer tageweise für den Küchendienst zuständig sind. Einen Tag diesen Dienst zu machen, ist wirklich anstrengend und nervenaufreibend. Bei einigen von uns ist dabei auch das Verständnis gegenüber dem Zeitaufwand, den unsere Eltern täglich zu Hause in der Küche betreiben müssen, stark gewachsen.

Der Ablauf eines Küchendienstes sieht ungefähr so aus:

⁃ 6:00-7:30 Uhr: Zubereitung des Frühstücks (u.a. Wasser auf offenem Feuer abkochen);

⁃ 8:00-9:00 Uhr: Küche saubermachen; Geschirr abwaschen/-trocknen (es gibt keinen Geschirrspüler);

⁃ 10:30 Uhr: Tea-Time vorbereiten (kleine Snacks, wie z.B. Obst), Wasser kochen für Tee und Kaffee)

⁃ 11:00 Uhr: Tea-Time

⁃ 11:30-13:00 Uhr: Abwasch von benutztem Geschirr und Kleinigkeiten; Vorbereitung des Mittagessens (kochen auf einem Gasherd)

⁃ 14:00Uhr-15:00 Uhr: Geschirr abwaschen

⁃ 15:00-17:00 Uhr: Pause; Camp sauber halten/ machen

⁃ 17:00-19:30 Uhr: Vorbereitung des Abendessens

⁃ 20:00 Uhr: Geschirr abwaschen

Wir können auf jeden Fall behaupten, dass der Küchendienst unter den gegebenen Bedingungen sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und man manchmal sogar mehr Lust auf die Feldarbeit, als auf den Küchendienst hat. Trotzdem muss jedes Team einige Male durch den Küchendienst, schließlich nimmt es uns keiner ab.

Glaube und Religion

Wie bei uns in Deutschland werden in Maun viele verschiedene Glaubensrichtungen, wie der Katholizismus, das Evangelium oder der Islam ausgeübt und ausgelebt. Allerdings viel intensiver und mit viel Spaß. Wie sehr das Leben der afrikanischen Jugendlichen von der Religion geprägt ist, ist uns immer wieder in bestimmten Situationen aufgefallen, die da wären: Beten vor dem Essen oder in vielen Verhaltensweisen, wie „ God bless you“, wenn eine Person genießt hat. Wir würden einfach nur „Gesundheit“/ „Bless you“ oder gar nichts (mehr) sagen. In einem der Berichte, namens „Sing Sang“, konnte man schon erfahren, dass hier viel gesungen und getanzt wird, um eine gewisse Harmonie untereinander zu verbreiten, welche ebenfalls in der Kirche stattfindet und das durften wir live miterleben. Die Kirche ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern Menschen versammeln sich auch aus ganz unterschiedliches Gründen dort. Viele Menschen gehen in Maun am Sonntag mit der ganzen Familie in die Kirche zum Beten und um Kontakt mit Gott aufzunehmen, aber einige gehen ebenfalls dort hin, um ihre sozialen Kontakte zu pflegen und Kraft für ihr Leben zu erhalten.

Um noch einmal auf die Familien zurückzukommen. Es ist möglich, dass innerhalb dieser unterschiedliche Glaubensrichtungen verfolgt werden, sei es aus dem Grund, dass z.B. zwei Menschen mit unterschiedlichen Religionen geheiratet haben, wie wir auf der Hochzeit mit bekommen haben, oder sich eine Person im Laufe seines Lebens zu einer anderen Glaubensrichtung hingezogen fühlt und diese annimmt. Dies ist vollkommen in Ordnung und wird meistens in den einzelnen Familien auch akzeptiert. Dies sind also eher die etwas spezielleren Fälle hier, da es meistens eher der Fall ist eine Religion innerhalb einer Familie zu haben und man in den Glauben der Eltern, als Kind, reingeboren/erzogen wird.

Was wir uns noch gefragt haben, da wir nur mitbekommen, dass die meisten Menschen einer Religion/Glaubensrichtung angehören, ob es in Maun auch Atheisten gibt. Diese Frage können wir bejahen, dennoch gibt es zwei Arten von Atheisten. Zum Einen gibt es die Atheisten, wie wir sie kennen, die an keinerlei Dinge glauben und zum Anderen gibt es die Agnostiker. Diese Menschen glauben an etwas Größeres/Mächtigeres, aber nicht an eine bestimmte Person, wie einen Gott. Trotz es wohl einige Atheisten und Agnostiker gibt, ist der Großteil der Bevölkerung in Maun sehr gläubig.

Gleichberechtigung

Die Aufgabenverteilung und die Versorgungsfrage verlaufen hier ein wenig veraltet. Es wurde uns zwar gesagt, dass die Frau an Arbeit und Aufgaben alles tun und machen kann, wie ein Mann. Doch das findet tatsächlich meist nur in der Theorie und nicht unbedingt in der Umsetzung statt. Diese Erfahrung mussten einige Mädchen von uns am eigenen Leib machen… wenn wir uns bei einer Sache körperlich beteiligen und z.B. bei dem Bau des „Greenhouses“ mit helfen wollten, wurden uns gerne mal bestimmte Werkzeuge gleich wieder aus der Hand genommen, ohne dass wir es wenigstens versuchen oder uns beweisen durften, dass eine Frau das Meiste genau so gut kann, wie ein Mann. Diese Situationen gehören so eher nicht in unsere (Lebens-)Welt, erst recht weil wir hier zum Arbeiten sind und nicht um als Deko daneben zu stehen…

Auch bei der Aufteilung innerhalb des Küchendienstes war schnell erkennbar, dass die Männer lieber die Aufgaben im Camp verrichten, als in der Küche zu helfen und zu kochen und auch hier ist wieder das typische Frauenbild von früher zu sehen. In Maun ist es üblich, dass die Frauen in einer Familie den Haushalt führen, dazu zählt: Kochen, sich um die Kinder kümmern und in die Kirchen gehen. Im Gegensatz dazu, machen die Männer die körperliche Arbeit und verdienen meistens das Geld.

Zum Glück haben wir in Deutschland nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch die Möglichkeit einen, überwiegend von Männern ausgeübten, Job anzustreben und auch zu erlernen.

TIA („This is Africa“)

Eine gewisse Zeit hat es gedauert, sich hier einigermaßen an die Strukturen und die afrikanischen Herangehensweisen zu gewöhnen. In der ersten Woche verlief alles sehr stressig und immer wieder viel später, als geplant oder zuvor angesagt war, was für uns als deutsche Gruppe erst einmal sehr verwirrend war. In einem fremden Land, mit „fremden“ Menschen, fremder Kultur und dann nicht die gewohnten und klassischen Regeln oder Strukturen zum „Festhalten“..?

Die Einhaltung der zeitlich festgelegten Mahlzeiten sowie pünktliches Treffen und andere Absprachen haben ihre Zeit gebraucht, sich einzupendeln. Außerdem war es in der ersten Woche äußerst schwierig, durch anfängliche Sprachhemmnisse häufiger gestörte Kommunikation oder durch plötzliche Planänderungen, von denen unsere Gruppe kaum etwas mitbekam, sich auf den Alltag einlassen zu können. Doch nach ein, zwei Wochen Beobachtungszeit, wie das Alles hier so gehandhabt wird, konnte sich der grösste Teil unserer deutschen Teilnehmergruppe damit arrangieren, hat es hingenommen, andere von uns haben sich an das System schnell angepasst und akzeptiert.

Bildung/Zukunft der Jugendlichen in Maun

Wir haben von den botswaner Jugendlichen erfahren, dass der Großteil von ihnen entweder zur Schule geht oder studiert. Die dritte Option danach, einen Job zu erhalten, gibt es meist nicht und zwar aus folgendem Grund:

Das Problem in Maun ist, dass es zu viele Menschen für zu wenig Arbeitsplätze gibt. Um sich überhaupt für einen Job zu qualifizieren, gibt es hier ähnliche Voraussetzungen wie in Deutschland. Die Jugendlichen müssen mindestens ihren „Highschool“-Abschluss gemacht haben, damit sie etwas in der Hand haben, um anschließend auf Jobsuche gehen zu können. Aber selbst mit solch einem Abschluss hat es sich als sehr schwierig erwiesen einen Job zu erhalten und seine Zukunft damit zu sichern und aufzubauen. Deshalb entschließen die Jugendlichen sich häufig studieren zu gehen. Selbst nach Erhalt eines Studienabschlusses ist es immer noch schwierig einen Job zu finden, aufgrund des o.g. Problems. Aber es gibt noch andere Faktoren, die dafür sorgen, nicht in den Arbeitsalltag einsteigen zu können, z.B. dass viele Jugendlichen dazu verpflichtet sind, im Haushalt mitzuhelfen oder selbst den Haushalt zu führen oder die Elternrolle für kleiner Geschwister zu übernehmen. Außerdem können wir uns vorstellen, dass viele Jugendliche auch lieber in der Familie mithelfen und einfach keine Motivation haben, da sich das Arbeiten für einen so geringen Arbeitslohn kaum lohnt. Der Mindestlohn beträgt hier nur 6 Pula pro Stunde, das entspricht etwa 0,60 €!!! Kaum ausreichend, um von so wenig Geld zu leben. Die Lebenshaltungskosten sind in Botswana lange nicht so gering, wie wir erwartet hatten. Vieles, insbesondere die Konsumartikel (z.B. Kosmetik- und Hygieneartikel), sind ähnlich teuer, wie in Deutschland. Aber wie wir sehen konnten, geht es den Jugendlichen aus Maun einigermaßen gut, denn sie zeigen mit ihrer positiven Lebenseinstellung immer, wie glücklich sie trotzdem sind, mit dem Wenigen, was sie besitzen und versuchen trotz der problematischen Lage ihre Ziele zu erreichen.

Die Beschäftigung der Jugendlichen auf Thari-E-Ntsho unterstützt sie darin, ihre „Skills“ oder ihre persönliche Haltung zu verändern und sich persönlich zu entwickeln, was bei einer späteren Jobsuche zumindest hilfreich ist.

LG Kim und Henrike

Neues aus Kiel

Nachdem wir nun wieder Zeit hatten um anzukommen und uns zu erholen, wobei teilweise der Abiturstress voll in Gange ist, werden wir euch unsere Berichte die von den Teilnehmer*innen im Rahmen des SDGˋs (Sustainable Development Goals, Nachhaltige Entwicklungsziele) erforscht wurden zum lesen zur Verfügung stellen.

Nicht alle Berichte befassen sich explizit mit unserem SDG 11, Nachhaltige Städte und Gemeinden. Wir haben uns für Themen entschieden die und während unseres Aufenthalts in Botswana beschäftigt haben.

Viel Spaß bei dem lesen der Berichte

Jenny

Zeit für Abschiede und Abflüge

Wir sind wieder gut in Frankfurt gelandet und sitzen jetzt im Zug auf dem Weg in den Norden.

Gestern war unser letzter Tag in Afrika. Nach unserem letzten gemeinsamen Brunch, gab es eine Verleihung von kleinen Preisen für besondere Leistungen in den letzten drei Wochen. Sowas wie  bestes Küchenteam, fleißigster Arbeiter, sozialster Mensch und weitere besondere Aktionen die von einzelnen umgesetzt wurden.

Danach wurden wir „TIA“ wieder ein bisschen kanpp, noch zum Flughafen begleitet von allen. Da war dann Zeit für den ersten langen Abschied. Abschied. Zum Teil doch sehr tränenreich und emotional.

Aber es ist kein „Goodbye“ sonder ein „See you again“!

Ausfürlichere Berichte folgen!

Verschlafene Grüße von Jenny

Krankheiten und Unbefindlichkeiten

Bei einigen von uns fing es schon früh nach der Ankunft in Botswana bzw. auf Thari-E-Ntsho an. Von einer kleinen Magenverstimmung, später dann auch heftigen Durchfall bis hin zu allergischen Reaktionen und Problemen mit dem Kopf oder der Haut durch die sengende Sonnenbestrahlung war alles vertreten. Die krassen klimatischen Veränderungen, aber insbesondere wohl auch die Ernährungsumstellung mögen vermutlich dafür verantwortlich sein. Fast niemand war davon nicht in irgendeiner Art und Weise betroffen.
Jedenfalls führte dies zu Spekulationen über die Ursachen, welche eigentlich letztlich nicht geklärt werden konnten, aber einige Unruhe unter den Teilnehmer*innen sowie den Betreuer*innen verbreiteten. Täglich waren Arztbesuche erforderlich, an manchen Tagen sogar gleich mehrere bzw. mehrere Personen auf einmal. Bei der Suche nach den Ursachen drehten wir uns im Kreis: Ernährung, Wasser, Hygiene, Reaktionen auf die Gräser… nichts passte so Recht zusammen! Hatte der/ die ein oder andere mit Magen- und Darmprobleme, waren es bei jemand anderem heftige Hautreaktionen. Über das durch Bodenfilterung in 6 m Tiefe leicht gelblich gefärbte Wasser, welches die meisten dann durch gekauftes aus dem Bottleshop ersetzten, wurde viel spekuliert. Ändern tat sich trotzdem nichts. Manche tranken das Leitungswasser tagelang, ohne dass es irgendwelche körperlichen Reaktionen gab. Vegetarier waren ebenso betroffen, wie die Fleischesser… auch der häufig aufgesuchte Arzt in Maun hatte keine schlüssige Erklärung, außer die allergischen Reaktionen wegen der Gräser und dem Blütenstaub oder dass möglicherweise die Ernährung/ Ernährungsumstellung – z.B. die Gewürze oder die superscharfe Chillisauce – verantwortlich dafür sei. Da jedoch in der Regel täglich frisch eingekauft wurde, ist auch dies nur eine Vermutung. In diesem Fall hätten auch alle oder die Vegetarier*innen gleichermaßen oder auch gar nicht betroffen sein müssen. Die Probleme gingen reihum und ein Zusammenhang konnte niemals so richtig festgestellt werden.
Im Verlauf der drei Wochen stellte sich heraus, dass auch die Gruppe der Botswaner*innen immer wieder betroffen war, wenn auch nicht so heftig und offensichtlich.

Vielleicht war ja bei den kleineren Magen- und Darmproblemen das ein oder andere Mal auch eine akute Unlust verantwortlich, um sich mal eine Auszeit gönnen zu können. Ich möchte hier aber niemandem mit Unterstellungen zu nahe treten, da ich inzwischen selber betroffen bin… und es eine Woche vor der Abreise mit Magen- Darmproblemen auch bei mir richtig „zur Sache“ ging.

Die Auslanskrankenversicherung dürfte an unserer Gruppe jedenfalls keinen Cent verdient haben, sondern ordentlich draufgezahlt haben müssen und der Arzt in Maun, der für uns 24/7 zur Verfügung stand, hat sicherlich auch ganz gut von unseren Problemen profitiert. Es sei ihm gegönnt! Sogar Lothar hatte solche Probleme nie zuvor bei seinen vielen Aufenthalten in Botswana erlebt und war anfangs selbst sehr stark davon betroffen.

Torsten

Die Kunst der kleinen Pause

Unser Tagesprogramm hier in Maun für das Projekt war immer sehr voll.
Gartenarbeit, Kreativarbeit, Recherche der SDG‘s, sowie Campdienst und Küchendienst. Da war nicht besonders viel Zeit um mal auszuschnaufen und die „Seele baumeln zu lassen“ oder mal richtig zu „chillen“.
In den ersten Tagen nach unser Ankunft waren noch alle voller Motivation und Energie, aber die langen Abende, die natürlich perfekt zum lockeren Austausch und Kennenlernen der Jugendlichen waren, hatten ihre Wirkung. Also war nach wenigen Tagen auch Schlafmangel mit im Rennen.
Alle haben sich im Laufe der letzten drei Wochen die Kunst der „kleinen Pause“ angewöhnt.
Diese wird eingeleitet durch die Frage:
Wie mache ich in kurzer oder auch mal längerer Zeit eine möglichst entspannte Pause?
So haben sich da viele Optionen ermöglicht.
Mal ein Nickerchen im Zelt, in der Sonne baden, einfach mal Musik hören, alleine abwaschen, in der mitgebrachten Hängematten dösen, an einem gemütlichen Ort lesen, eine kalte Cola genießen, eine schnelle Zigarette (für einige), mit den Sternen träumen oder zusammen ins Zelt gekuschelt entspannen.
Im Laufe der letzten Wochen wurden diese kleinen Pausen kreativer und ausgedehnter.
Die Feldarbeit und Dienste wurden ernst genommen, aber die Kreativarbeit wurde doch vernachlässigt. Am Montagnachmittag soll ein Theaterstück vor den Eltern der botswanischen Jugendlichen uraufgeführt werden.
Thematisch handelt es sich um das Zusammenspiel von Landwirtschaft und den natürlichen tierischen Gegebenheiten.
Wir werden sehen wir der Zeitdruck aus den bisherigen Ideen ein fertiges Stück meistern wird.

Mein Fazit:
Wir haben bisher viel geleistet und sind sehr erschöpft.
An unseren freien Tagen haben wir Ausflüge gemacht, z.B. in das Buschcamp nach Kaziikini, dafür haben wir unser Zeltcamp auf Thari-E-Ntsho komplett eingepackt und am Rückkunftstag wieder aufgebaut.
So hatten wir tatsächlich nie richtig Zeit, mal länger zu entspannen.
Nun, wo das Gewächshaus soweit beendet ist, haben wir mal richtig viel Zeit für uns gehabt, konnten endlich mal lange schlafen, spät frühstücken, in die Innenstadt fahren … usw.
Aber auch stehen immer noch Ausflüge und die Dienste an, sodass einige dennoch ein bisschen Arbeiten müssen, damit der tägliche Ablauf klappt.
Einige konnten wesentlich besser entspannen als andere, bzw. in weniger Zeit für sich selbst mehr Energie tanken.

Jenny

Ein Gewächshaus aufbauen auf botswanisch

Vorher…

Nachdem das Feld von den Dornengestrüpp und anderen Gewächsen befreit war, kamen wir zur eigentlichen Arbeit, das Aufstellen des Gewächshauses. Für die meisten von uns startet das mit einer Überraschung, da ein Gewächshaus in Botswana sich deutlichst von solchen unterscheidet, die wir in Deutschland gewohnt sind. Anstatt ein richtiges Gebäude mit möglichst viel Glaswänden und Decken besteht die botswanische Version hauptsächlich aus einen Netzgespann. Trotz des einfachen Erscheinungsbildes war das Errichten dieses „Gewächshauses“ mit erheblichen Aufwand verbunden.

Nach derRodung

Unter der Anleitung der Handwerker des „Department of Crops“ begangen wir mit einem handbetriebenen Erdbohrer 29 tiefe Löcher zu gegraben. Ein Gerät mit vier spitzen, länglichen Spaten, welches per Drehbewegung mittels Muskelkraft benutzt wird. Wir haben uns in Teams aufgeteilt, da wir nur zwei dieser Erdbohrer zu Verfügung hatten. So zog sich die Arbeit bis zum Mittag hin und wir waren dadurch gleichzeitig der sehr der starken Mittagshitze der botswanischen Sonne ausgesetzt. Die Löcher waren etwa 60 cm tief und vier Fäuste bereit. Die Tiefe wurde mittels eines Stocks gemessen.

Wir waren schneller fertig, als von uns erwartet, was dazu führte das die Arbeit erstmal eigestellt werden musste, da das Material für den nächsten Arbeitsschritt noch nicht vor Ort war. Nachdem am nächsten Tag das restliche Material angeliefert wurde konnte weiter gearbeitet werden. In die zuvor gebohrten Löcher wurden jetzt über drei Meter lange Pfosten eingesetzt.

Die Holzpfosten waren stark behandelt und hinterließen schwer zu entfernen Flecken auf Haut und Kleidung. Über diese Pfosten wurde folgend Draht gespannt und zu den Seiten auf dem Boden befestigt. Um diese ganze Konstruktion herum wurde abschließend ein Draht auf Bodenniveau entlang der Befestigungspunkte gespannt.

Nun war es an der Zeit sich um die Netze zu kümmern. Netze ausrollen, ausbreiten, über die Drähte werfen und befestigen waren vorbereitende Maßnahmen bevor wir zu dem zeitaufwändigsten Arbeitsschritt gekommen sind, das Nähen der Netze. Entlang der Drähte wurden die Netze mittels, aus einen kleinen Drahtstück gedrehten, Nadel und Faden fixiert und später auch untereinander verbunden. Zum Boden hin wurden die Netzte an dem umlaufenden Bodendraht befestigt, sodass sich dadurch ein durch Netzen umschlossener Raum bildete.

Allein das Befestigen/Nähen der Netze beanspruchte zwei Tage, sodass wir am letzten geplanten Arbeitstag mit der Grundkonstruktion fertig waren.
Ein Podest für den 5000 Liter fassenden Tank wurde mit insgesamt acht LKW-Reifen, von den je zwei aufeinandergesetzt wurden, errichtet. Um die Stabilität zu gewährleisten, wurden diese dann noch mit Bauschutt und Erde verfüllt.

Nun fehlen zur Inbetriebnahme dieses Gewächshauses nur noch ein Bewässerungsystem und die Endbearbeitung (das Umgraben) des Bodens, in dem jetzt vor der Tierwelt geschützten Feld. Dann kann es auch bald mit der Aussaat und dem Anbau der Pflanzen losgehen.

Geschafft!

R.

Ein Feld roden auf Botswanisch

Ein 25×25 Meter Areal für das Aufstellen eines Gewächshauses vorzubereiten, hört sich erstmal nicht wie eine Aufgabe an, für die circa eine Woche benötigt wird, vor allem wenn um die zwanzig Arbeiter zur Verfügung stehen. Doch verlegt man dieses Feld nach Botswana, schraubt die Temperaturen auf 30 Grad Celsius herauf, was dazu führt, dass die Arbeitszeiten auf den Vormittag und den frühen Abend beschränkt sind, und kombiniert das mit dem fehlen von Werkzeugen, die diesen Namen verdient haben, dann wird einem schnell klar, dass eine Woche gar nicht so schlecht ist.
Als ich das Feld zum ersten Mal sah, war ich überzeugt, am nächsten Tag mit dem Aufstellen des Gewächshauses anfangen zu können. Erste erhebliche Zweifel kamen in mir auf, als ich mich daran machte, einen der reichlich vorhandenen Dornbüsche zu leibe zu rücken. Dies gehörte nämlich zu den ersten Arbeitsschritten und war weitaus zeitaufwändiger als gedacht. Mein erster Versuch mit einer alten und wackligen Heckenschere den Dornbusch klein zu kriegen, erwies sich als wenig zielführend. Also blieb nur der brachiale Weg die Büsche mit der einzig vorhandenen langstieligen Axt direkt auf Bodenhöhe zu Kappen und die Büsche, ohne sie weiter zu zerkleinern, abzutransportieren. Die Arbeit mit dem Dornengestrüpp führte zu zahlreichen Kratzern und kleineren Wunden. Die bis zu fünf Zentimeter langen Dornen blieben oft im Finger stecken, um dort abzubrechen, zumal die meisten von uns keine Arbeitshandschuhe hatten, was zu weiteren Verzögerungen führte. Parallel dazu wurde mit dem entfernen von Gras und anderen kleinen Pflanzen begonnen. Dies wurde ganz einfach per Hand gemacht. Abtransportiert wurden die Gräser und Pflanzen mittels einer Schubkarre mit faustgroßen Löchern der Wanne und bei der man nie befürchten muss Luft aus dem Reifen zu verlieren, da dieser aus einen kompletten Stück Gummi besteht. Die Arbeit wurde weiter durch die starke Sonneneinstrahlung erschwert, die nur durch geeigneter Kopfbedeckungen und reichlichen Wasserpausen begegnet werden konnte. Am ende des ersten Tages war vielleicht ein Viertel des Feldes von Dornbüschen befreit und meine Hoffnungen auf ein schnelles Ende zerschlagen. Durch mehr Äxte und Verbesserungen in den Fällmethoden konnte das Entfernen der Büsche deutlich beschleunigt werden. Doch erreichten wir nie mehr die anfänglichen Mannstärke auf dem Feld. Ein Viertel von uns war jeden Tag mit arbeiten in der Küche und im Camp beschäftigt. Dazu kamen noch Ausfälle aus gesundheitlichen Gründen. Zudem litt die Arbeitsmotivation durch große Hitze, Planung nach afrikanischer Art und allgemeiner Strukturlosigkeit, was sich aber schnell legte, nachdem die gröbsten Probleme behoben waren. Nach dem Entfernen der Büsche und dem Ausreisen der Gräser und restlichen Pflanzen war es an der Zeit sich ums Wurzelwerk zu kümmern. Kleinere Wurzeln wurden ausgegraben, größere soweit wie praktisch möglich auch, um danach Grubenfeuer auf den restlichen Wurzeln zu entzündet. Dies führte dazu, dass parallel zu den restlichen arbeiten auf dem Feld wir uns noch um reichlich Nachschub an Feuerholz kümmern mussten. Auf dem ganzen Feld wurde nun jegliche Pflanzenreste zusammengeharkt und abtransportiert, die erloschenen Grubenfeuer wieder zugeschüttet, sodass ein Areal nackter Erde zurückbliebt.

R.

Tiere, Action, Panik…. geil!

Freitag der 06.04 bis Sonntag der 08.04.2018:

Das Camp war aufgebaut, die Toiletten erkundet und ausprobiert und das Mittagessen war auch schon verputzt. Als wir uns auf zwei von drei Autos aufteilten, um einen Gamedrive (der Begriff für Safari) zu erleben. Unser Gamedrive begann auf den unebenen Straßen von Kaziikini. Es dauert nicht lange, als wir den ersten ausgewachsenen Elefanten gesehen hatten. Peter,ein ehemaliger US Bürger, der uns als Safari-Guide begleitet hatte, hatte Recht, als er uns zuvor einmal sagte, dass wir erst richtig realisieren werden, wie groß dieses Tier ist, wenn du im Auto sitzt bzw. auf der Ladefläche eines Pick-ups stehst und dieses Tier 50-100 Meter von dir entfernt steht. Wenn zuvor noch jemand vom Gefühl her nicht begreifen konnte, dass er tatsächlich in Afrika ist, so sind nun jegliche Zweifel verflogen. Beim Anblick dieses gigantischen und mäßigen Tieres hab zumindest ich das Gefühl bekommen, „TIA“ (This is Africa), ein Spruch, der im Laufe unserer Zeit hier ziemlich oft fiel. Ich stand auf der Ladefläche des Pick-ups von Peter, stell dir das mal vor. Du stehst ungefähr ein bis eineinhalb Meter über den Boden, du näherst dich wackelnd und in der Hoffnung nicht herunter zu fallen, dem Elefanten. Zugegeben es klingt beeindruckender als es tatsächlich war, denn der Elefant war 100 Meter entfernt und interessierte sich nicht wirklich für uns und fraß einfach weiter. Es dauerte auch nicht lange, bis er uns bemerkte und dann ging. Zudem war es eigentlich auch der zweite Elefant, da wir schon auf dem Weg nach Kaziikini einen kleineren, etwas abseits der Piste im Gebüsch, gesehen hatten, war dieser voll ausgewachsene ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Nachdem der Elefant vor unserem Lärm „geflüchtet“ ist, hatten wir Lust auf mehr. Nun ging es tatsächlich in den Busch, dazu verließen wir die Schotterpiste und es ging Querfeld ein. Dies allein war schon ein Erlebnis. Büsche und Dornengestrüppe, sowie eine hügelige Landschaft erinnerten uns eher an eine Achterbahn als an einen Gamedrive. Die, welche auf der Ladefläche weiter vorne standen, mussten den Anderen immer sagen, wann ein Ast oder ein Loch kommt, sodass die Hinteren ausweichen bzw. sich (teils aneinander) festhalten konnten.

Mit Fernglas, Hut und Sonnenbrille bewaffnet, ging der Gamedrive insgesamt fast zwei Stunden lang. Dafür, dass es der erste Gamedrive war, haben wir viele Tiere gesehen, angefangen mit Impalas, Zebras und Elefanten trafen wir zum Schluss unseres ersten Gamedrives auf eine Mischherde aus Giraffen und Zebras. Die Zebras halten sich gerne in der Nähe von den langhalsigen Giraffen auf, da diese Gefahren aufgrund ihrer Größe schon frühzeitig erkennen können.
Als wir zurück im Camp waren, haben wir dort einige Zeit verbracht und gegen abends auch am Lagerfeuer. Später gingen wir dann im Busch in unser Zelt, ein merkwürdiges Gefühl. Am nächsten Tag erfuhren wir auch, dass zwei Zeltplätze weiter wohl ein Elefant gesichtet worden war. Da bekommt man doch nachts schon ein mulmiges Gefühl und überlegt, ob man einen Gang auf die Toilette wagen möchte.
Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Um Punkt 6:30 Uhr wollten wir nämlich einen „Early Gamedrive“ machen. Entgegen dem Motto TIA kamen wir tatsächlich sogar pünktlich los. Dieses Mal begleitet uns ein professioneller Guide. Im dichteren Gestrüppwald trafen wir plötzlich auf einen Elefanten, auf den wir bis auf wenige Meter heran gefahren waren. Ich stand auf der Ladefläche des Pick-ups und beobachtete den Elefanten beim Fressen, als er sich zu uns drehte, bedrohlich die Ohren aufstellte und laut trompetete. Peter ließ ein paar mal den Motor aufheulen und der Elefant verschwand. Ein Scheinangriff, bei dem alle etwas Bammel hatten. Letztlich ist aber alles gut gelaufen. Wir sahen viele Tiere, darunter auch Baby-Zebras. Zurück im Camp hatten wir Freizeit, die wir individuell gestalten konnten, eine wohlverdiente Pause, vor allem auch für die pädagogische Begleitung. Zum Mittagessen gab es Shakalaka, eine Art afrikanisches Gulasch. Gekocht wurde in traditionellen Gusseisentöpfen, welche über offenen Feuer standen. Nach dem Mittagessen ging es nachmittags erneut los, dieses Mal wieder ohne Guide. Das Erlebnis mit dem Scheinangriff des Elefantens wiederholte sich aber. Abends im Camp besuchten wir eine kleine Bar neben unserem Zeltcamp alle zusammen. Wir haben somit viel Zeit miteinander verbracht. Schon während unserer Freizeit am Mittag hatten sich mehrer Mädchen zusammen getan und verschiedenen Flechtzöpfe ausprobiert.
Nach dem Besuch in der Bar und einem Barbecue gingen wir, die Meisten unter weit entfernten Hyänen Gelächter, ins Bett.
Am Sonntagmorgen des 8.4. sind wir auf unserem Zeltplatz im Kaziikini-Camp aufgewacht. Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und bauten schon einen Teil der Zelte für die Rückfahrt nach Thari-E-Ntsho ab. Die ganze Gruppe fand es schade, dass unsere spannende Zeit in der Wildnis so schnell vorbei war. Es war nicht nur für uns Deutsche das erste Mal, in der Nähe des Okavagodeltas in einem Buschcamp zu sein. Also fuhr unser „Tour-Guide“ Peter noch einmal für uns durch die Wildnis und zeigte uns ein letztes Mal das afrikanische Wildlife. Das Highlight der Gruppe war, dass wir noch eine Gruppe Geier in einem kahlen Baum sitzend und andere am Himmel kreisend, gesehen hatten.

Diese Tiere sind grade bei uns, wegen des Projekts, vom großen Interesse. Dazu später mehr…
Vom diesem Gamedrive zurückgekehrt, wurde uns nach dem Beladen der Fahrzeuge klar, dass es problematisch werden würde, mit allen Teilnehmern der Safari-Tour gleichzeitig in einem Rutsch nach Thari E Ntsho zurückzufahren, trotz quetschen und dem Beladen der Fahrzeugdächer, kaum genügend Platz zur Verfügung stand. Auf der Hintour war Peter nämlich zweimal gefahren, um die letzten Zurückgebliebenen nachzuholen. Nach kurzer Überlegung setzten sich einige der botswanischen Teilnehmer auf die Ladefläche des schon recht hoch beladenen Pick-ups. Sie fuhren so freiwillig mit, ohne Angst zu haben während der Fahrt runterzufallen, auf einer Strasse voller Schlaglöcher mit Elefanten und anderen Wildtieren in der Umgebung. In Botswana sieht man das recht häufig und niemand scheint dies zu stören, selbst die Polizei nicht. Eine Art und Weise, wie sich niemand in Deutschland transportieren lassen würde und ohnehin strikt verboten wäre. Unsere Betreuer hatten uns das auch verboten.

LG

L.R. & Leon K.