Pep Talk in der Estnischen Nationalbibliothek

Eine niederländische Delegation und ich folgen unserem Lotsen Margus Leimann durch ein Schlachtschiff von Haus. Er kennt es von klein auf – auch seine Mutter arbeitet hier. Damals waren Kinder nicht erwünscht, inzwischen existiert ein Kinderbereich.

Margus führt durch die Ausstellung zum Sängerfest Laulupidu

Die Hauptaufgabe heißt nicht mehr Sammeln von Literatur. Margus begründet das salopp: Das Sammeln von Büchern ist kein Spaß, das Teilen ist es. In anderen Büchereien gehen die Zahlen runter, nicht in der Nationalbibliothek.

Sie sind bereits einen weiten Weg gekommen von der misstrauischen Bücherei, die ihre Bücher gar nicht erst aus der Hand geben will bis zum heutigen Kultur- und Lernzentrum. Als Vorbild nennt Margus Helsinkis Zentralbibliothek „Oodi“. Was die Nutzer*innen wollen und brauchen – das ist, was zählt. Also reagieren sie auf Feedback und veranstalten offene Diskussionsrunden. Zusätzlich zu den modernen und gemütlichen Lesesälen sind Co-Working-Arbeitsräume und Makerspaces in Planung.

Treppenhaus

Die Menschen brauchen nicht-kommerzielle Orte, aber sie müssen von ihnen auch wissen. Deshalb nimmt die Bücherei an öffentlichen Veranstaltungen wie der Museumsnacht teil. Eine Pop-up Bücherei besucht Konferenzen, Festivals, Messen, Schulen und Universitäten.

Medienraum mit Lesesaal

Verbotsschilder sind out – hier prägen „Erlaubt ist“-Schilder die Säle. Und wer den Kopf voll hat, der folgt einfach für einige Minuten dem Sport-Parcour durch die Gänge.

Bevor Margus sich verabschiedet, weist er im Eingangsbereich auf ein Selbstverbuchungsgerät mit RFID-Technologie hin. Es ist das erste derartige Gerät, das ich auf meinen Touren durch Tallinns Büchereien entdecke.

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